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Text: Birgitte Eskildsen
Ein
Geburtstagsgeschenk im Werte von 13 Milionen dänische Kronen ist von der
dänischen Königin für ein grossartiges Bildwebeprojekt, das die Geschichte
Dänemarks von den Vikingern bis zum heutigen Tag schildert, verwendet worden.
Die berühmte Gobelin-verkstatt in Paris hat den Auftrag bekommen, die lebhaften
Bildgeschichten nach den Skizzen des Künstlers Bjørn Nørgaard zu weben.

Zum 50-jährigen
Geburtstag von Königin Margarethe II. Am 16. April 1990 haben eine ganze Reihe
dänischer Unternehmer, private Fonds und Unternehmerorganisationen des
Geburtstags mit einem Geldgeschenk in Höhe von 13 Milionen dänischen Kronen
gedacht, eine Summe, die die Königin zur Herstellung von elf neuen Gobelins für
den Rittersaal im Schloss Christiansborg verwenden wollte. Königin Margrethe
ist in Dänemark wegen ihrer künstlerischen Begabung sehr bekannt und sie hat
selbst u.a. gewebte und bestrickte Kirchentextilien ausgestellt. Man hat
sich sehr gefreut, dass die Königin die Gelder für ein textiles Projekt
verwenden wollte.

Schon 1988, zwei Jahre vor dem Geburtstag der Königin, wurde ein Ausschluss
gebildet, der die grosse Arbeit mit den Gobelins vorantreiben sollte, und man
entschied sich sehr überraschend – und sehr weise, wie sich herausstellen
sollte, den Bildhauer Bjørn Nørgaard zu beauftragen. Dieser ganz und gar
unkonventionelle Künstler war der richtige Mann, um die neuen Gobelins, die die
Geschichte Dänemarks von den Wikingern bis in die Gegenwart, ja bis in die
Zukunft hinein, erzählen, zu gestalten. Bjørn Nørgaard hat immer ein grosses
Interesse für Geschichte gehabt, und diese Tatsache in Verbindung mit dem direkten
Zugang zum Riksantiquariatet sowie einer ungemein grossen Bildbank ermöglichten
eine einmalige Darstellung der dänischen Geschichte, überreich an Ereignissen,
die das Land geprägt haben, Menchen, die Ihre Zeit be-einflusst haben und an
Sinnbildern, die zum Nachdenken mahnen. Die Gobelins wiesen eine
unvergleichlich reihe Bildsprache auf, die in ihrer darstellerischen Weise fast
den Comic-Stripes ähnelt. Und es funktionert, da Bjørn Nørgaard gewohnt ist,
das Handwerk und die Technik anderer zu würdigen, ohne dabei seine eigene Kunst
zu schmälern. 1994 wurde Bjørn Nørgaard mit dem Ritterkreutz ausgezeichnet.
Der Tradition
verpflichtet, könnte man fast sagen, es waren die Manufactures Nationales des
Gobelins, um für Schloss Christiansborg zu weben. Vor 220 Jahren hat die
französische Webwerkstatt nicht weniger als 26 Gobelins, die die Geschichte
Alexander der Grossen erzählen, im Auftrag des dänischen Königs gewebt. Die
Familie Gobelin, die ursprünglich an einem Nebenfluss der Seine zuhause war,
hatte sich seit Mitte des 15. Jahrhunderts mit dem Farben von Garnen mit
besonderes gutem Ergebnis dank der Wasserqualität beschäftigt. 1620 zogen zwei
flämische Weber mit ihren Werkstätten bei den Gobelins ein und die berühmten gewebten
Tapeten waren eine Realität. Der Sonnenkönig, Ludwig XIV (1638-1715), liebte
grossen Prunk und als er seine zwei Hauptresidenzen, der Louvre und Versailles,
zu verschönern wünschte, berief sein Finanzminister J.B.Colbert 1662-63 die
Kunsthandwerker der Zeit – einschliesslich der Familie Gobelin – zur
„Manufacture Royale des Meubles de la Couronne“ ein. Les Gobelins sind heute im
Besitz des französischen Staates, da man der Meinung ist, dass das Bewahren
dieses alten Handwerks ein nationales Anliegen sei. Die Beziehungen zwischen
Dänemark und Frankreich sind auch von Natur aus eng, da der Eheman der Königin,
Prinz Henrik, Franzose ist.
Die elf Gobelins umfassen insgesamt ca. 200m2 und werden alle in
der gleichen Breite (395 cm) gewebt. Sie sind alle unterschiedlich gross. Die
Gobelins werden hochkant gewebt, ein Verfahren, das den meisten Webern bekannt
ist, aber sie werden auch auf zwei verschiedenen Arten von Webstühlen gewebt –
auf einem mit senkrechter und einem mit waagrechter (haute lisse und basse
lisse) Kette. Das Ergebnis ist gleich, aber auf dem Webstuhl mit
waagrechter Kette kann man etwas schneller weben, fast 2,5m2 im
Jahr! Ein französischer Weber durchläuft eine fünfjährige Ausbildung, ehe er
oder sie qualifiziert ist. Man muss auch Experte sein, um so fabelhafte Gewebe
herstellen zu können, wie man sie bei den Gobelins sieht, da ja der Weber mit
einer Arbeitszeichnung hinter der Kette und mit Hilfe eines ausgetüftelten
Systems von Spiegeln genau so weben kann, wie es Bjørn Nørgaard gezeichnet hat
(haute lisse). Der Weber verwendet nur etwa die Hälfte der 65 auf der Zeichnung
eingetragenen Farben, sie tragen aber auch die Verantwortung dafür, dass das
Ergebnis so vollkommen wird, wie nur möglich. Das Material ist Wolle, sowohl in
der Kette als auch im Schuss, und die Dichte der Kette beträgt 45 Fäden pro 10
cm. Der Schuss wird nur waagrecht eingelegt, nie schräg! Man webt in
verschiedenen Lagen, aber immer waagrecht. Das Gewebe wird so dicht gewebt,
dass es nicht notwendig ist, die Fadenende auf der Rückseite zu befestigen.
Die
erzählerische Bilddarstellung auf den Gobelins umfasst die Geschichte Dänemarks
von der Wikingerzeit bis in unsere Tage – eine Zeitspanne von ca. 1300 Jahren.
Jeder Gobelin hat rings-herum eine 45 cm breite Borte und innen zum Hauptbild
hin einen schmalen schachbrettgemusterten Rahmen. Es ist nicht möglich, jedes
Motiv zu beschreiben, da die Geschichten auf jedem einzelnen Gewebe so
vielfältig und so bedeutungsvoll und afregend sind, dass kein Einzelnes
hervorgehoben werden kann, jedoch vielleicht eine Person von besonderem
Interesse für die Leser, nämlich der Gründerin der Kalmarer Union, Margrethe I.
In der Webschule in Borås in Schweden konnten wir in 1993 die phantastische
Aufgabe miterleben, den Stoff für die Rekonstruktion von Margrethes Goldkleid
zu weben. Sowohl Margrethe i des 14. Jahrhunderts als auch die Kalmarer Union
finden wir auf den Gobelins der Königins wieder. Die Menschen, die auf den
neuen Gobelins dargestellt sind, haben alle grosse Hände und im Gegensatz zu
früheren Künstlern, die alle während der Arbeit mit der Ausschmückung der
königlichen Säle streng überwacht wurden, hat Bjørn Nørgaard völlig freie Hand
bei der Realisierung der Aufgabe, die Geschichte Dänemarks zu veranschaulichen.
Der Rittersaal,
der jetzt mit den elf neuen Gobelins aus Paris geschmückt werden soll, ist der
dritte in der Reihenfolge. Der erste Saal, der im 18. Jahrhundert eingerichtet
wurde, fiel bei dem Schlossbrand im Jahre 1794 dem Feuer zum Opfer. Der neue
Saal, der daraufhin im 19. Jahrhundert errichtet wurde, ist 1884 verbrannt. Die
derzeitigen Gobelins im Rittersaal gehören dem Schloss Rosenborg, wurden aber
für Schloss Christiansborg ausgeliehen, da Gelder für die Ausschmückung des
jetzigen Rittersaales fehlten. Die Gobelins hatten natürlich nicht die richtige
Grösse für die Wände im Rittersaal und die Wände wurden deswegen geändert, so
dass alle geliehenen Bildgewebe Platz hatten. Wenn die neuen Gobelins im
Rittersaal aufgehängt werden, können die „alten“ ihren angestammten Platz im
Schloss Rosenborg einnehmen.
Königin
Margrethe II von Dänemark wird am 16. April im Jahre 2000 60 Jahre alt und dann
wird der Auftrag über die elf Gobelins abgeschlossen sein, eine ganz
ausserordentliche Geschichtsschreibung und ein Lebenswerk für einen Künstler,
der von seinem Werk behauptet: „Ein Geschenk an die Königin ist ein Geschenk an
das Volk.“
Birgitte Eskildsen
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LINKS
Historie & håndarbejde - Tværfagligt
eksempel - Bayeux
Paris Pages; Manufacture
Royale des Gobelins - de Beauvais et de la Savonnerie - Information
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LITTERATURLISTE
o
o Bjørn Nørgaard, Peter Michael Hornung, "Elleve
gobeliner til Dronning Margrethe II", skitser og forarbejder.
1995. Silkeborg Kunstmuseums Forlag. Dk. ISBN 87-87932-539
o
o Peter Michael Hornung, "Dronning Margrethe
IIs Gobeliner". 1990. Dk. ISBN 87-983509-0-0
o
o "Magrethe II", maleri og kirketekstiler. 1998. Århus Kunstbygning. Dk.
ISBN 87-985970-8-6
o
o Vivian Etting, "Margrethe den Første".
1998. Gyldendal. Dk. ISBN 87-00-60412-7
Birgitte Eskildsen